Streifen verrutscht – Ich mache dich wieder gesund.

„Wie woa der Name noamoi?“ Der verachtende Blick der Dame hinter der Plexiglasscheibe geht durch Mark und Bein.
„Andreas Greil“
„Woos GEIL?“ Sie ist sichtbar schockiert.
„Na mit R.“
„Oiso Reil.“
„Gustav Richard Emil….“
„Sie ham doch gsogt Andreas.“
„Heans, I schreibs eana auf!“

Anmeldeschalter im Gesundheitswesen fallen für mich in die Kategorie Supermarkt-Fleischwarenfachabteilung. Wartezimmer bei Ärzten und vor allem Wartehallen in Ambulanzen sind ohnehin der Vorhof zur Hölle. In ersteren wird man ja auch noch permanent gegen seinen Willen mit den Wehwehchen und Grausligkeiten der dort socializenden Pensionisten konfrontiert. Kopfhörer sind leider keine Option, da die Ärztekammer offenbar mit dem qualitativ schlechtesten Gegensprechanlagenhersteller der Welt unter einer Decke steckt. Aus dem 70er Jahre Intercom kommt doch wirklich überall superleise: „SCCHHHHHHKRRRXXXX…KCHRRR….OrdinaKCHRon Eins!“ Schalldämmende Kopfhörer sind hier kontraproduktiv.

Die Wartebereiche von Ambulanzen sind nochmal ein Level grausamer. Das fängt ja schon beim Mobilar an. Ich versteh ja durchaus, dass man die Leute zu einem gewissen Grad abschrecken möchte, wegen eines Schnupfens am Sonntag in die Nachtambulanz zu kommen. Wenn ich aber eh schon ein Weh hab, dann brauch ich doch nicht noch zusätzlich schwere Haltungsschäden von den Sesseln dort. Folterkammer, Hilfsausdruck.

Zumindest herrscht hier ein strenges Regiment, das von noch strengeren MitarbeiterInnen mit harter Hand geführt wird. Ohne e-Card/Ausweis kein Personalblatt, ohne Personalblatt keine Nummer, ohne Nummer kein Platz auf der Warteliste. Wer aus der Reihe tanzt -> Todesblick. Beim zweiten Mal wird man zusätzlich ermahnt. Bei drei Mal -> Man wagt es nicht sich vorzustellen. Über die Reihung auf der Warteliste darf keine Auskunft gegeben werden und sie richtet sich nach Dringlichkeit des Notfalls. Soll mir recht sein. Das dürfen gerne die Experten entscheiden. Ich bin ja nicht SO ein Doktor.

Die höhere Dringlichkeit der Sehnenscheidenentzündung vom Herrn Prof. Anton B. gegenüber dem vom Gartenhäcksler abgetrennten kleinen Finger vom Sepp aus Ebreichsdorf, hätte ich als Laie wohl falsch eingestuft.

Wie weiter oben bereits erwähnt, sei man ausdrücklichst gewarnt davor es sich mit jeglichem Personal im Gesundheitsbereich zu verscherzen. Bei meinem letzten stationären Aufenthalt hat mich die Essens-Ausgabefrau aus unerklärlichen Gründen gehasst. „Immer nix is er da, wenn Essen bringe. Immer laufen herum. Ist gar nix krank. Glaubt ist Hotel hier.“ Meine freundliche Erklärung, dass ich ein Problem mit dem Aug hab und nicht mit den Haxen, hat dazu geführt, dass sie mir zwei Mal das Abendessen vorenthalten und mich mit einem bulgarischen Fluch belegt hat.

Aber bitte hier nicht falsch verstehen. Satire darf, Satire muss.

Ich persönlich ziehe meinen Hut und verneige mich vor jedem, der sich im Gesundheitsbereich täglich den Arsch aufreißt. Jede(r)….von der Reinigungskraft bis zum Primarius (kann man das gendern?). Die größten Gfraster sind oft eh wir Patienten und das strenge Regiment der Schwester Oberin somit sehr nachvollziehbar.

In diesem Sinne frei nach Janosch:
„Es ist nur ein Streifen verrutscht. Sag doch mal Bouillon. Die macht dich wieder Gesund.“

Euer Doktor D.

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