Offensichtlich Prolet….eventuell Landjugend

Ich fahr nicht gerne Auto. Ich fahr auch nicht gerne mit. So…jetzt ist es heraußen.
Das soll euch aber bitte nicht beeinflussen keine Automobile mehr zu kaufen, da ich bei einem der größten Autozulieferer der Welt arbeite und irgendwie meine diamantbesetzen Disco Anzüge finanzieren muss.


Für mich ist Autofahren ein notwendiges Übel um relativ unkompliziert von A nach B zu kommen. Der Komfortfaktor erschließt sich mir aber absolut nicht. Man hockt in einem Blechkäfig mit meist wenig Beinfreiheit, einem Würgegurt und in Sitzen wo gefühlte 50 andere Personen schon ordentlich hineingebuht haben. Manchmal wird diese grauenhafte Situation auch noch durch „Wunderbäume“ veredelt, welche mir einen Drang zum Herausjausnen verschaffen.

Als Kind vom (wirklich wirklich ländlichen) Land würde man meine Abneigung gegenüber diesen Kraftfahrzeugen eigentlich nicht erwarten. Schon mit zarten 13 Jahren haben wir mit dem ausrangierten, nicht mehr Pickerl-Fähigem Ford Fiesta von der Mama, die (gepachtete) Wiese vom Nachbarn als Rennstrecke missbraucht.
„Taugt des euch?“ hat sie gesagt, die tobende Nachbarin, nachdem die frische Frühlingswiese einer Stockcar Strecke geglichen hat.
„A derra Wiesn…..der taugt des nimma a so!“
Ist uns ziemlich wurscht gewesen damals. Dem Papa fehlen wohl noch immer zwei Jahre der Zahlungen vom Pachtvertrag.

Ein findiger Psychologe würde wahrscheinlich meine Fahrschul Erfahrungen als Ursprung allen Übels diagnostizieren. Da hab ich doch echt als Fahrlehrer einen Ungustl mitten in der Midlife-Crisis erwischt, der nicht nur in der 30er Zone mit offenem Fenster den 18 jährigen Schülerinnen nachgepfiffen hat, sondern auch noch ein Schmäh-Meister von Sprüchen ala „Schena Gruaß vom Getriebe….der Gang is drin“ gewesen ist. Die Jungen sagen, dass man das mittlerweile „Dad-Joke“ nennt.

Autofahren an sich ist ja auch (vergleichbar mit einer Supermarktkasse) der Inbegriff menschlicher Aggression. Im Straßenverkehr werden die liebsten Menschen die man kennt zum Tier.


„Orschloch deppertes, kaunnst ned blinken?!“
„Gib Gas, oder i schiab da an!“
„I bring eam um……………I BRRRRRRIIIINNNGGGG EAMMM UMMMMM!“

Es wird geschimpft, geflucht, gestikuliert und verwunschen, obwohl das eh keiner hört und sieht. Außer ich am Beifahrersitz. Eingeschüchtert in Fötus Stellung und panisch am Haltegriff Hilfe suchend.
„WOS IS MIT DIR? Sixtas eh de ganzen Trotteln!“

Ich verstehe ja das Automobil als Statussymbol auch nicht so richtig. Ich bin da eher der Typ VW Kombi. Unauffällig, aber nicht schirch, nicht ganz zu wenig PS, damit man auch auf der Landstraße mal einen Deutz überholen kann, ohne dass einem die Schweißperlen auf die Stirn geraten, und vor allem viel Stauraum.
Die Kofferraumgröße messe ich ja in Anzahl der Bierkisten die man ohne Stapeln hineinschlichten kann. Da kann man dann nämlich auch noch oben drauf zwei Sackerl Zement und ein paar Kilo Blumenerde packen. Ja, ich mag das Lagerhaus auch sehr gerne, aber das ist eine andere Geschichte.

Frau Disko tendiert da eher in die Richtung BMW mit Niederquerschnitt-Reifen und hohlgebohrtem Doppel Auspuff. Beim Prolo-Faktor ist sie mir halt doch einiges voraus. Das wär aber halt so gar nichts für mich. Ihr müsst wissen, so ein böses Vehikel kommt ja auch mit großer Verantwortung. Da kann man nicht einfach drinnen sitzen und so dahin cruisen. Nein. da muss man dann auch die ganze Zeit selber furchtbar böse schauen und furchtbare Musik mit einer 5000W Base-Machine aufdrehen, dass es dir das Ohrenschmalz ins Hirn hineindrückt.

Wenn man noch einen oben drauf setzen will, gibt es da noch Wunschkennzeichen. Ich kann mir kaum etwas vorstellen, was einem mehr Respekt und Ehrfurcht verschafft als ein Taferl wo draufsteht „DIDI 8“ oder „PEPI 86“.
Ein sehr weiser Freund von mir hat einmal gesagt, dass ihm das sehr dabei hilft die Leute etwas im vorhinein zu kategorisieren. Er meinte immer „Offensichtlich Prolet, eventuell Landjugend“.
Wobei ich ganz offen zugeben muss, dass es kreative Ausnahmen gibt, vor denen ich mich durchaus verneige. Der Tierarzt in meinem Heimatort zum Beispiel hatte das folgende Nummerntaferl:

Insgeheim hab ich mein Auto ja hauptsächlich aus dem Grund weil ich meinen Mechaniker Meister so gern mag. Das ist nämlich ein guter Spezi von mir, schon seit dem Kindergarten. Ein ganz gescheiter und geschickter Mann und die Preise sind da so vernünftig, dass ich fast schon ein schlechtes Gewissen bekomme. Es sei jetzt mal dahingestellt, dass ich für Pickerl und Reifenwechsel mehr als 300km (hin und retoure) fahre und eine ganze Tankfüllung dafür brauche.
Ein großartiger Gastgeber ist er noch dazu. Der hat immer so ein gutes und kaltes Bier in seiner Werkstatt eingekühlt, dass ich meistens zwei Mal hin muss, wenn ich mein Auto abholen will. Beim ersten Mal kann es passieren, dass das mit der Fahrtüchtigkeit nicht mehr vernünftig wäre und ich lieber zu Fuß wieder heimgehe. Man hat sich halt viel zu erzählen unter Spezis.

Ich setz mich jetzt auf mein Radl. Das ist nämlich gesund und einen blöden Parkplatz braucht man auch nicht suchen. Dafür wird einem das hier in der Stadt ständig von irgendwelchen elendigen Gfrastern gestohlen. Das ist aber auch eine andere Geschichte und ich will ja nicht, dass mir die Themen ausgehen.

Servus, Grüß Euch
Euer Dokter

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