„How are you doing?“, oder authentischer „Hauarjuduin?“ fragt dich in den USA ein jeder wildfremde Mensch, wenn du ihm ungeschickterweise in freier Wildbahn zu nahe kommst. Das klingt ja für den ungeübten Europäer erstmal sehr nett und hat ein bisschen was von österreichisch-ländlichem Charme, wo du beim „Nah und Frisch“ vor lauter „Griasdi, griasdi“ sagen, gar nimmer zum Einkaufen kommst. Was aber nicht ein Jeder weiß, das ist, dass man da um Himmels Willen nicht darauf Antwortet wie es einem geht, sondern ebenfalls mit einem zustimmenden „Hauarjuduin“ das Gespräch vorerst beendet und hofft, dass der Eingeborene den österreichischen Akzent nicht bemerkt hat. Den interessert das nämlich einen Pfurzgack wie es einem geht, das macht man dort einfach so, weil es sich gehört. Wenn man sich aber auch noch aus Versehen als Auswärtiger outet, dann hast du im Prinzip die sprichwörtliche Arschkarte gezogen. So ein Smalltalk, der gehört sich dort nämlich auch. Wer mich kennt, der weiß, dass sowas für mich in die Kategorie Bandscheibenvorfall fällt. Belangloses Bla Bla und man hofft, dass der Lift endlich die 56. Etage erreicht. Da lob ich mir ausnahmsweise so Städte wie Wien, wo einer der wenigen Gründe für die Menschen Fremde anzusprechen, der Satz „Steign Sie aus?“ in den Öffis ist und der bedeutet in der Regel: „Steh um du Gfrast!“.
Die USA das ist (sind?), keine Frage, ein sehr faszinierendes, wunderschönes Land. Wenn da nicht die Einwohner wären. Wie Karl Valentin bereits sehr treffend gesagt hat: „Der Mensch ist gut, aber die Leut sind ein Gsindl.“
Drehen wir die Uhr aber mal ein paar Jahre zurück und schauen wir, worauf ich überhaupt hinaus will. 2018 bin ich mit Frau Disko frisch vermählt, fünf Wochen in die USA zum Honeymoon gepilgert. Um etwaige Missverständnisse vorab zu vermeiden: Es war ein anstrengender, aber vielmehr großartiger Trip, den ich niemals missen möchte.
Ich hab mich zwar vorab auf einen gewissen kulturellen Schock eingestellt, aber ich muss sagen, die haben schon alle ein bisschen einen Vogel da drüben.
Das fängt ja schon bei der Einreise an. Wenn du da beim Security Check auch nur einmal falsch mit der Augenbraue zuckst….Guantanamo…ohne Prozess…momentan.
Überhaupt haben die ganz schön viele Anleitungen, Anweisungen, Regeln und Restriktionen. Vom „Land of the free“ merkst du da nix.
Als Raucher muss man da ganz besonders aufpassen. Der Amerikaner der pofelt zwar auch sehr gern und viel, aber die machen das heimlich zu Hause, in Innenhöfen, im Auto oder unter Brücken. Da sollte man schon sehr aufmerksam sein, wo man sich mal gemütlich eine anraucht. Wenn du dann nämlich einem Gebäude zu nahe kommst (15ft) -> Guantanamo.
Passt es doch endlich irgendwo, dann hat man aber auch keine Ruhe. Da wirst du angeschnorrt, dass es dir graust. Sagte ich schon, dass ich nicht gerne von Fremden angesprochen werde?
Überraschenderweise liegt aber in den Städten permanent und überall ein leichter Marihuana Dunst in der Luft. Ich frag mich ob die Leute sich das in die Haare schmieren.

Ähnlich interessant und vor Allem kontrovers, verhält es sich mit dem Alkohohl. Der ist ja einerseits in der Öffentlichkeit absolut verboten, andererseits gibts alle 50m diese 24h Liquor-Stores und die sind durchgehend sehr gut besucht.
Mal am Nachmittag gemütlich mit ein paar Radler in den Park setzen, das ist auf den ersten Anschein so gar nicht möglich dort. Ein Busenfreund, der seit Jahren in den USA lebt, der hat mir das aber so erklärt: „Schau mal genau. Der Einheimische, der läuft den ganzen Tag mit einer 1l Kaffee Thermokanne herum. Glaubst du ernsthaft die saufen alle soviel Kaffee?“

Einen Ort in dem Land gibt es aber, wo beinahe anarchistische Zustände herrschen und das ist Las Vegas. Dort ist quasi alles erlaubt, was man sonst nirgends darf. Da sieht man dann das andere Extrem. Da wird zum Frühstück schon gesoffen, in den Casinobereichen drinnen geraucht und die Leute spazieren alle mit EIN LITER Bierdosen in der Hand durch die Straßen. Festival in St.Pölten oder Nickelsdorf nix dagegen.
DIE
SPINNEN
DOCH
ALLE
Versteht mich jetzt nicht falsch, ich find es ja prinzipiell eine gute Sache, eine vernünftige gesetzliche Regelung für diese Substanzen zu haben. Die Scheinheiligkeit dahinter, die find ich aber grauslig.

Was auch ein sehr US Amerikanisches Phänomen ist, das sind Warteschlangen. Der Ami der stellt sich gerne an. Und je länger die Schlange desto gerner wird angestellt. Man muss denen aber lassen, dass die das sehr gut können. Da gibts kein Vordrängeln, kein Schubsen, kein „Kassa BITTE“, kein Murren, kein Maulen. Die stehen einfach an. Manchmal glaubt man, die stehen einfach an, ohne zu wissen wofür. Ich hab dort (kurzfristig) gelernt sehr geduldig zu werden. So eine Warteschlange entschleunigt und kann durchaus meditativ wirken. Aber Vorsicht ist auch hier geboten. Aus der Reihe tanzen ist zwar nicht Guantanamo, kann aber durchaus mit einer eindringlichen Ermahnung und Androhung von Gewalt seitens des lokalen Security Personals einhergehen.
Einkaufen in den USA das ist auch ganz eine andere Liga. Im normalen Supermarkt da bist du als einfacher Mitteleuropäer schon mal schnell ein bisschen überfordert. Alleine die Einkaufswagerl fassen dort mehr Volumen als ein österreichischer Klein-LKW. Ganz abgesehen von diesen Elektro-Dicke-Leut-Wagerln. Da musst du schon auf die Seite springen wenn dich so einer von hinten bei der Gemüseabteilung anhupt, sonst hast du die Stoßstange in der Achilles, so schnell kannst du gar nicht schauen.
Haushaltsmengen bekommen dort auch eine ganz andere Definition. Die Milch und den O-Juice kauft man in Gallonen und (in Österreich verschreibungspflichtige) Medikamente in 1000 Stück Containern. Es gibt aber wider Erwarten nicht nur grindiges convenience food im Supermarkt, sondern auch wirklich gute, gesunde und hochwertige Produkte in Hülle und Fülle. Da greifst du dann aber leider wirklich tief in die Geldkralle.
Wenn man noch Lust und Laune hat, kann man sich beim Waffenfachverkäufer seines Vertrauens kurz vor der Kasse noch eine Pump-Gun ins Körberl legen. Ganz ohne Waffenschein. Das gehört sich halt auch so dort.

Was hier noch fehlt ist auf jeden Fall „Fast-Food“. Natürlich kannst du in USA ins Restaurant gehen, wenn du selber nicht kochen willst, aber mehr dazu weiter unten.
Zum Thema Burger, HotDog und Co haben die uns aber schon einiges voraus. Das sind halt die Anlaufstellen, wo du billig und geschmacklich gut reinfressen kannst wie ein römischer Stadthalter. Wer auch nur EIN MAL einen Double-Cheesburger mit Cheese-Fries beim Shake-Shack hatte, der geht nie wieder auf eine Junior-Tüte zum McDonalds zu Hause. In die 2$ Hot-Dogs rund um den Times-Square in NY möchtest du dich reinlegen und ein Burrito beim Chipotle ist eine Offenbarung.

Aber auch überall dort darfst du um Himmels Willen nicht aus der Reihe tanzen. Der Amerikaner an sich, der wird sehr schnell sehr nervös. Da ist es mir doch glatt passiert, dass ich in Chicago am Bahnhof einen Starbucks Kaffee bestellt habe und nach Aushändigung von eben Diesem, selber nach dem Pappbecher-ToGo-Deckel gegriffen habe.
„Sir! Don’t touch this!“ hat mich die Kaffeefachverkäuferin laut ermahnt. „You never touch this by your own! You ask, and I will give it to you!“
Das hat Eindruck hinterlassen. Todesblick par excelence und noch dazu hat die Dame ausgesehen hat wie eine afroamerikanische Brigitte Jazz.

Man kann auch, wenn man will, richtig gut Essen gehen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Einen Geldbeutel musst du halt dabeihaben, dass es dir die Zehennägel aufdreht. Wenn du da in die Speisekarte schaust, da freust du dich ja erstmal so richtig in den Allerwertesten hinein, bis du dann ganz unten liest „Taxes and Tips not included“.
Da wird ein gemütlicher Abend schnell mal zu einer Zentralmatura Aufgabe um abzuschätzen was auf einen zukommt. Vor Allem beim Trinkgeld musst du aufpassen. Alles unter 15% ist eine Beleidigung und du kannst hoffen, dass dir der Kellner nicht sofort eine auflegt.
Gemütlichkeit kennen die auch nur vom Hörensagen. Sobald du auch nur den letzten Bissen in Richtung deines Gesichts bewegst, wird dir ungefragt im vorbeigehen die Rechnung auf den Tisch geknallt, frei nach dem Motto: „Du bist gleich fertig, zahl endlich und schleich dich!“

Auf politische Diskussionen hab ich mich gar nicht eingelassen. Dafür fehlt mir einfach ein bisschen der lokale Mindset. Ein bisschen geil auf Krieg sind die aber schon, keine Frage. Da können die aber auch gar nix dafür. Das wird dir halt so eingeimpft. Wenn du aber in San Diego auf die aktiven Flugzeugträger schaust, mit denen man 30% der Weltbevölkerung auslöschen kann, da wird dir schon ein bisschen Ding.

Zum Abschluss noch was Schönes. Nach 4 Wochen East-Coast, Chicago, Las Vegas, Grand Canyon, Westcoast……da sind wir nach Hawaii geflogen. Na Herrschaftszeiten muss ich sagen. Da glaubst du gar nicht, dass das noch zu den USA gehört. Da fliegst du mal 5 Stunden Richtung Japan.
Ausgezahlt hat sich das aber schon. Sommer, Sonne, Sonnenschein. Ein lokales Bier haben die da, auch da legst du dich nieder. Und den Kollegen der jeden Tag direkt neben meiner Sonnenbank flaniert hat, habe ich liebevoll „Meister Eder“ genannt.

Bis bald
Euer Disko Dokter
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