„Wos duast du do?“ muss ich Frau Disko mit Entsetzen fragen, wie sie gedankenverloren mit dem Kochlöffel in den vorsichtig vor sich hinröstenden Zwiebeln herumstochert.
„Ich rühr ein bissl um?“
„Und wer hot gsogt, dass du des duan soist?“
„Ich hab mir halt gedacht, dass….“
„Beim Teutates!!!“
Keine Sorge, nicht dass du jetzt glaubst da wäre eine Beziehungskrise entstanden, dafür mag ich die Disko Frau viel zu gern. Es kann aber schon vorkommen, dass ich durchaus nervös werde, wenn mir jemand ungefragt in den Kochtopf hinein glangt.
Ich muss ja sagen ich koche wirklich gern. Eigentlich ist es eines von meinen zwei einzigen richtigen Hobbys. Kochen und Sporteln. Ersteres mach ich richtig gern, Zweiteres ist eine notwendige Konsequenz von Ersterem.
Diese Leidenschaft hat schon in der Hauptschule angefangen. Da haben wir „Hauswirtschaft“ gehabt als Pflichtfach. Der Name ist vielleicht etwas irreführend und es würde „Möglichst ungesunde und bodenständige Küche für Anfänger“ den Lehrinhalt besser widerspiegeln, aber eine Wirtschaft haben wir da eh auch immer veranstaltet, Schlachthof nix dagegen. Mit zarten 14 war ich schon Profi in der Zubereitung von Wurstsalat, Schinkenschöberlsuppe, Rahmschinkenfleckerl und Zwiebelrostbraten. Gestorben ist auch nie jemand daran, was im Nachhinein betrachtet eine Überraschung ist. Nur die Wochen in denen ich Tischvorbereitungs- und Servicedienst hatte, habe ich gehasst. Für liebevoll gestaltete Namens-/Menükarterl und Serviettenfalten fehlt mir der Nerv. Die Karterln hab ich dann einfach am Computer ausgedruckt, mit Word-Art. Das war der nice shice damals.

Jetzt wirst Du schon bemerkt haben, dass es heute ein bisschen ums kochen geht. Ich werd aber diesmal nicht auf die Küchen-Diktatoren und Food Blogger hinpecken, die da wieder eine Religion draus machen. Sollen die doch ihr Schnitzel stundenlang sous-vide dünsten, rückwärts zu tode braten und vor lauter Instagram keine Mahlzeit warm essen. Die sekkiere ich auf Facebook eh oft genug und so lang, bis sie mich zum Weinen bringen.

Die Mama Disko, die kann ja auch so richtig genial kochen. Da hab ich mir wahrscheinlich am meisten abgeschaut. Der Teufel der liegt nämlich oft im Detail und in den Beilagen. So einen richtig guten Semmelknödel zum Beispiel, den schüttelst du nicht einfach so aus dem Ärmel. Da muss schon wirklich alles passen. Größe, Kochzeit, Eigehalt, Pedasü und vor Allem die Konsistenz und Saugfähigkeit. Wenn sich so ein Semmelknödel nicht mit der Gabel zerteilen lässt und die Bradl-Sauce nicht aufsaugt wie ein Löschpapier das LSD, dann kann es schon passieren, dass ich dir den Teller bis in die Küche zurückschmeiße.
Im Zivildienst bin ich dann zur Lebenshilfe gegangen. In so ein Wohnhaus. Denen Betreuern dort war das schon ganz recht, dass da einer kommt, der gern am Herd steht. Da kommst du dir dann schnell aber auch vor wie in einer Großküche beim Bundesheer, wenn du regelmäßig 13-15 Leute verköstigst, mit einem Appetit für eine ganze Kompanie. Mit Teelöffeln braucht man da gar nicht erst herumscheißen. Da ist „eine Handvoll“ die kleinste anzunehmende Messgröße. Kleine Mengen kochen kann ich bis heute nicht. Zahlt sich ja gar nicht aus. Es kann halt schon vorkommen, dass ich dann vier Tage lang das Selbe essen muss, oder halt solange bis es mir ein bisschen davon läuft.
Wenn man gut und gerne für viele Leute kocht, hat das ja auch einen furchtbar sozialen Nebeneffekt. Da hast du schon regelmäßig die Bude voll und bewirtest deine ganz ausgehungerten Freunde. Halli-Galli um nicht zu sagen. Das kann dann schon fast gegen deinen Willen passieren. Eine gute Freundin in der Studienzeit hat mir an den Freitagen nur mehr ein SMS geschrieben (ja wir hatten noch kein Whatsapp), mit den Worten: „Wos gibts heut zum Essn? I bring des Bier.“ Ein sehr sehr guter Mensch ist die.
Das Beste was einem dann noch passieren kann, ist, wenn sich die Gäste ungefragt noch ein, zwei Mal aufs Teller nachschaufeln. Ein größeres Lob gibt es nicht. Nirgends nicht.

Ich mach aus dem Ganzen keine Wissenschaft. Schon gar nicht mag ich so Pinzetten Prinzessinen Sachen, wo du zum Anrichten am Teller länger brauchst wie zum Essen selbst. Dafür schneid ich dir in einer halben Stunde fünf Kilo Zwiebeln in so kleine Würfel, dass jeder Nicer-Dicer erblasst vor Neid. Bei mir gilt dann eher Eintopf vor Schnitzel, Überbacken vor Füllen und Rohr vor Pfanne. Auch Rezepte/Kochbücher sind so gar nicht meins. Ein paar Ideen kann man sich ja holen, aber strikt nach Anleitung kochen, beleidigt meine Kreativität. Ist halt wie beim Sporteln. Lusti muass‘ sei. Schmecken solls auch.
Ein paar wenige Regeln gibt es aber schon. Die musst du einfach einhalten. Würzen zum Beispiel, im speziellen Salzen. Wenn du in einen Auflauf nicht vor dem Backen genug Salz rein tust, dann kann sich das NICHT „…Jeder dann eh so nachsalzen wie es im taugt…“. Herrschaftszeiten!
Und wenn jemand glaubt er kann ein Erdäpfelgulasch in 45 Minuten zubereiten, dann soll er einen halben Liter von dem Saft trinken müssen, der beim Senf vorne rauskommt, wenn man ihn vorher nicht schüttelt. Zieh-Zeiten sind wichtig und unanfechtbar!

Ich schau ja auch gerne diese Kochsendungen. Die sind mein „Game of Thrones“. Eine Jede kannst du dir aber nicht anschauen. Fernsehköche die sind schon ein ganz eigener Typ Mensch. Da gibt es so harmlose wie den Jamie Oliver, da kann man sich schon was abschauen von dem. So ausufernd kochen wie der sollte man halt nur, wenn man will, dass die Wohnung danach ausschaut wie der Truppenübungplatz in Allentsteig und Olivenöl verwendet der für ein Gericht, soviel Wasser trink ich am Tag nicht.
Dann gibts da so Silberrücken wie den Schubeck. Der kann schon was, aber ein Ungustl ist er halt auch. Außerdem mag ich um Himmels Willen nicht in jedem Gericht 20dag Knoblauch und Ingwer drin haben.
Über Kuriositäten wie den Gordon Ramsay mag ich gar ned schreiben. Da gehts ja gar nicht ums kochen, aber den US Amerikanern gefällt halt so ein Schmarrn.
Am liebsten mag ich fast den Tim Mälzer. Gar nicht so, weil der so außergewöhnlich kocht, aber der ist immer ein bisschen lustig, immer ein bischen grantig, ein bissi blad, oft ein bissi betrunken und kann ganz wunderfürchterlich schimpfen.
Zum Schluss noch eine Sache in diesem Zusammenhang die ich gar nicht mag. Das ist nämlich Backen. BACKEN IST NICHT KOCHEN. Da muss man sich nämlich akribisch an die Rezepte halten und am Ende wird mein Biskuit trotzdem härter wie eine Waschbetonplatte. Außerdem ess ich Mehlspeisen einfach nicht so gerne. Mit einem Kuchen da machst du mir nicht wirklich eine Freude. Als Geburtstagstorte wünsch ich mir ja schon lange einen faschierten Braten mit Kerzen oben drauf. Den mag mir die Frau Disko leider nie nicht machen. Das ist aber eine andere Geschichte.
Mahlzeit und Prost
Euer Dr.Disco Andi
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