„Des schwoaze kann ma obakrotzn“….oder „Guad, dass ma de Knacker auch roh essen kann“

„Die Grillsaison ist gestartet“ ist der Standard Satz in allen Sozialen Medien und Messenger Gruppen, sobald sich die ersten Sonnenstrahlen im März durch die Wolkendecke kämpfen. Inklusive Fotos von stolzen GrillmeisterInnen mit Winterjacke und Pudlhaube, die auf der Terrasse bei gefühlten 8°C die übriggebliebenen Bratwürstln mit Gefrierbrand vom letzten Sommer auf den Grillrost werfen. Fällt zufällig die Karwoche auch noch geschickt in diesen Zeitraum ist „Heute Grü-Donnerstag!!!“ auch noch ein beliebter Opener.

Ich mag ja Grillfeiern, sowohl als Gast und auch als Gastgeber. Eigentlich aber wegen der Feier und nicht wegen dem Grillen. Das ist ja meistens eh nur ein Vorwand, dass man sich bei schönem Wetter mit Freunden treffen kann und schon bei Tageslicht ganz viel Bier trinken darf. Wenn du nämlich mal genauer darüber nachdenkst, dann ergibt so ein Event eigentlich in den meisten Fällen soziologisch und kulinarisch wenig Sinn.

Auf so eine Grillfeier kommt man in der Regel sehr zeitig. Man muss sich ja in gewisser Weise akklimatisieren. Da kommt dann meist auch gleich die strikte Geschlechtertrennung grob zum Vorschein. Die Männer werden mit einem „Servas! Schen dassd do bist, mogst a Bier!“ empfangen, während die Frauen mit den Kindern im Schlepptau und einer (viel zu großen) Tupperbox mit Nudel-/Griechischem-/Erdäpfelsalat im Arm, leicht überfordert die Gastgeberin suchen, mit den Worten: „Wo kann i denn des einkühlen? Mia ham a no a Kleinigkeit vorbereitet.“

Hier beginnt der erste gemütliche Teil. Man begrüßt alle Leute, Bussi hier, Bussi da, man ist mit dem Aperitif versorgt, der Schmäh rennt, die Kinder spielen (zumindest auf der WII im Wohnzimmer) und eigentlich bräuchte man gar nichts Zusätzliches mehr, um für den Rest des Tages eine richtig schöne Zeit zu haben.
Dann kommt aber die zu erwartende Hiobsbotschaft. Der Grillmeister/Gastgeber verkündet lautstark: „Es warad dann boid amoi zum auflegen.“
Jetzt macht sich Panik breit. Ein Feueralarm nix dagegen. Kiloweise Fleisch, Wurst, Gemüse, Grillkäse und weiß der Teufel noch was für ein Klim-Bim wird Richtung Feuerstelle gekarrt, Geschirr scheppert, die Tische werden in einer Geschwindigkeit leer geräumt und aufgedeckt, dass du aufpassen musst, dass du dich nicht an deinem Bier verschluckst.
„De Bageeets ghörn ins Rohr?“……“Kann man dir no wos helfen?“…..“Suchts euch jeder schon mal einen Platz!“……..und dann das Schlimmste: „Wirschtln sind schon fertig. Die Kinder können gleich amal essen anfangen“

Dieser Part einer solchen Feier ist nämlich auch in den meisten Fällen gar nicht so der Bringer, wie man sich das einzureden versucht. Das fängt ja schon bei der Logistik an. Die Beilagen und Baguettes stehen schon lang vor dem Grillgut am Tisch und man haut sich die Wampe mit gefühlt einem halben Kilo Brot und Tzatziki voll, bevor auch nur das erste Kotelett den Grill verlässt. Nur die Kinder essen (oder verschmähen) ihre vorgeschnittenen Würschteln. Da darf man aber um Himmels Willen nicht fragen ob man auch schon so ein Würstelchen haben kann. Das gehört sich nämlich nicht. Schon aus Respekt den Eltern gegenüber. Wenn man nämlich Kinder hat, dann kostet das einen ganz viele Nerven. Sagt man zumindest so.
Kommt irgendwann endlich das Fleisch (in einer meist unerklärlichen Reihenfolge) in Griffweite, hält sich die kulinarische Offenbarung oft auch sehr in Grenzen.
„Des schwoaze kann ma owakrotzn“, „Guad, dass ma gnuag zum trinken ham. Des Kotelett des staubt jo direkt“, dicht gefolgt von einem scherzhaften „Zum Glück kann man die Knacker auch roh essen“, sind die obligatorischen Kalauer der Stunde und die Grillsauce die man gerade haben will, die steht sowieso immer genau am anderen Ende des Tisches.

Gesellschaftlich ist das ja auch ein Wahnsinn, da fragst du dich schon ein bisschen. An der Tafel herrscht quasi Weltkrieg, der Grillmeister steht durchgehend irgendwo abseits mit ein oder zwei biertrinkenden Spezis („Das bissl was ma essen, könn ma trinken auch leicht“) und die Gastgeberin/Hausherrin rotiert zwischen Küche und Gartentisch wie ein Duracell Hase auf Speed.

Natürlich ist das jetzt alles ein bisschen überspitzt formuliert. Es gibt schon genug Leute die sehr gut Grillen können. Da ist ein bisschen weniger auch oft mehr, wie man sagt.
So richtig grausam sind nämlich diejenigen, die das ganze zu einer Wissenschaft, wenn nicht gar zu einer Religion emporheben. Da kannst du dir zuerst mal einen Monolog über Niedrigtemperatur gesmoktes Pulled-Beef anhören, dann musst du dir die selbst programmierte „BBQ-Monitor“ App auf dein Telefon herunterladen, damit du gleich Live mit anschauen kannst wie dein Steak zu Tode geflämmt wird und zum Schluss hast du eigentlich gar keinen richtigen Appetit mehr und versuchst verzweifelt jemandem anzudeuten, dass deine Halbe Bier schon gefährlich nah am leer werden ist.

Wie ich aber bereits am Anfang schrub: Ich mag Grillfeiern, weil du musst ja auch das große Ganze betrachten. Als Gastgeber da tut man sich ja so richtig den Arsch aufreißen, damit es den Gästen gut geht und dass es einem an nichts fehlt. Den guten Willen den musst du da schon auch respektieren.
Wenn nämlich der ganze Trubel wieder abgeflaut ist, der Geschirrspüler rennt, die Kinder (endlich) wieder an der WII festkleben und Gastgeber/Gastgeberin endlich auch zu den Gästen stoßen, dann wird so ein Tag/Abend so richtig schön gemütlich. Zumindest so lange, bis ich dann meine Kalauer auspacke.
Das ist aber eine andere Geschichte.

Einen schönen Start in die Grillsaison
Herzlichst
Euer Dokter

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