I hob nur a Packerl Milch….oba woatns, des hob I genau.

„Kaaaaaassssaaaaaa Biiittteee!“
Der nervös hysterische Aufschrei der dezent ungepflegten Dame im Jogging Anzug hinter mir in der Schlange lässt sich nichtmal durch die Noise Cancelling Funktion der Kopfhörer unterdrücken.
„Wir ham eh scho zwa Kassn offen, schneller gehts grod ned.“
Die bemühte Kassiererin versucht den Mob im Zaum zu halten.
„Da stehn scho 100 Leut und die ham alle an Stress.“, geiferts mir quer über das Einkaufswagerl feucht ins Genick.
„I hob kan. Sie können gern vor.“, sag ich unüberlegt und bereue es in der selben Sekunde.
„Wenns deppert daherredn wolln, dann gengans nach Proletenhausen!“
Zack bumm. Der hat gesessen. Du dumme Gans. Aber zumindest ein neues Wort gelernt.

Supermarktkassen sind die Brutstätten von Verzweiflung, Hass und diversen Herz-/Kreislauf Erkrankungen.
Ich hab ja eine Zeit lang versucht eine Wissenschaft daraus zu machen. Ich habe Buch geführt über Stoßzeiten meiner Stammfilialen, dann sogar eine Matrix erstellt mit Füllmenge der Einkaufswagen, Anzahl der unterschiedlichen Artikel, Länge der Kassenschlange, Altersschnitt, Sozialer Status der Kunden und beteiligtem Kassier-Personal. Ich wollte irgendwie das Risiko minimieren. Für eine Doktor Arbeit hats nicht gereicht, denn am Ende siegt immer wieder Murphys Law.

Murpy’s Law

Mittlerweile bereite ich mich durch mehrstündige Entspannungsübungen und mentales Training auf diese Stresssituationen vor. Zahnarztbesuch nix dagegen.

Wenn man das Kassenschlangenphänomen etwas objektiver betrachtet, kann man es natürlich auch als Sozialstudie sehen. So mancher Billa Einkauf gibt Einblicke in die tiefsten Abgründe menschlichen Verhaltens.

Ein essentieller Bestandteil aufkeimender Urinstinkte ist der Warentrenner oder Warentrennbalken (ich nenne ihn auch gerne liebevoll Dazwischenleg-Dingsdi). Er ist das Symbol für die Abgrenzung des eigenen Territoriums und der Verteidigung des Selbigen. Ich frage mich noch immer ob es einen medizinischen Ausdruck gibt, für die Panik die in den Menschen entsteht, wenn kein Warentrenner mehr da ist bzw. der Hintermann das Dingsdi partout nicht benutzt. Sollte jedoch hinter einem Trennbalken auch nur ein Zentimeter schwarzes Förderband frei werden, bilden die Kunden ungeahnte Kräfte aus und üben sich im Erdäpflsack Weitwurf um das neu erschlossene Revier umgehend zu markieren.

Schon lange aufgehört habe ich damit die Leute nach den Artikeln zu beurteilen, die sie aufs Band legen. Das gehört sich nicht. Selber fühle ich mich aber immer extrem beobachtet. Vor allem, wenn ich nur geschwind im Vorbeigehen ein 6er Tragerl Bier kaufen will, nehm ich noch alibihalber einen Salat, irgendwelche Vollkornnudeln und eine BIO Limonade. Die Leut solln ja ned blöd schaun.

Hat man die Schlange dann endlich überwunden, kommt der angenehmere Teil der Übung. Supermarkt KassiererInnen sind in der Regel sehr freundliche, schwer schuftende Zeitgenossen, die auch am Samstag um 18:00 Uhr noch immer um uns grantigen Gfraster bemüht sind. Mit einer ganzen Brennesselstaude möchte ich einen Jeden verdreschen, der dort kein Hallo, Danke, Wiederschaun und/oder ein freundliches Lächeln herausbringt. Zumindest sollte man denen die -25% Aktion verweigern.

Es gibt jedoch auch Dinge während des Bezahlvorgangs, die kann und will ich nicht verstehen. Einerseits ist das die flächendeckende Abwesenheit grammatikalischer Grundregeln, welche wohl in JEDER Berufsschule für Einzelhandelskaufmenschen vermittelt wird.
„Kundenkarte haben Sie?“, „Treuepunkte sammeln Sie?“, „Bankomat, wenns piepst“.
Und das ist keine Frage des Alters, des Geschlechts, der Herkunft, der Religion, oder sonstwas. Die reden ALLE so. Nächstes Mal, wenn ich meine Treuepunkte einlöse, wünsche ich mir drei unbestimmte/bestimmte Artikel und zwei Präpositionen dafür.

Das zweite was mich unrund macht, ist, wenn mich der/die KassiererIn oder nachfolgende Kunden beim einpacken/wegräumen meiner gekauften Waren stressen (ausser beim Hofer, aber da weiß ein Jeder worauf er sich einlässt). Na, zu Fleiß räum ich mein Wagerl dann nach Packungsgröße und Gewicht sortiert und sorgsam langsam wieder ein. Danach geb ich noch den Bankomatkartencode zwei Mal absichtlich falsch ein, bis dem Kunden aus Proletenhausen hinter mir der Schaum vorm Mund steht. Ich freu mich ja schon sehr, wenn ich diese magische Altersgrenze überschritten habe, ab der man ungestraft ein jedes Mal sagen darf: „Woatns, des hob i genau. I siags oba nimma so. Do nehmans eana söba aussa.“

In diesem Sinne:
Danke, Wiederschaun und das Grinsegesicht bekommts gratis oben drauf.

Euer Disko

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