„Never skip leg day……oder warum Himbeer Soda auch Skiwasser heißt“

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Drei Stunden Achtundvierzig Minuten Vierundfünfzig Sekunden, ist in diesem Internet unter meinem Namen gestanden, wie ich mal geglaubt habe, dass ich einen ganzen Marathon mitlaufen muss (Vienna City Marathon). Das ist halt auch schon ein bisschen mehr als 10 Jahre und noch ein bisschen mehr als 10 Kilo her.
Noch einmal machen wollte und will ich das aber eigentlich nie wieder. Nicht unbedingt weil ich es mir nicht zutraue, aber so einen Marathon laufen, das ist schon wirklich unglaublich fad. Am Anfang ist es ja noch ganz lustig weil da so viele motivierte, lustige Leute mit dir gemeinsam unnötig in eine Richtung rennen, aber spätestens nach 20km da dünnt sich das ganze aus und du siehst nur mehr ganz grantige verbissene Gestalten. Die verstehen dann auch oft gar keinen Spaß mehr.
„Für die €52 Startgebühr, wär ma die 42km auch leicht mitn Taxi durch die Stadt gefahren. Gö?“, hab ich da in der Prater Allee zu einem Mitläufer rüber gerufen.
„Geh gib a Ruh, seitm Lusthaus brennt mir da Gluteus!“
Ich weiß bis heute nicht, ob mich der beleidigt hat.
Im Zielbereich hat es dann ein gratis Bier gegeben…..ein ALKOHOHLFREIES!!!!! Da wollte ich denen schon ein bisschen die Bude anzünden.

Ich hol jetzt aber ein bisschen weiter aus. Eigentlich möchte ich ja heute generell ein bisschen über Sport und vor allem über die Leute die ihn betreiben, schreiben.
Ich selber mach ja noch immer gern Sport. Mal mehr, mal weniger, mal lang, mal kurz, mal schnell, mal langsam, mal einfach gar nicht und manchmal schau ich auch einfach gern Anderen dabei zu.
Das darf man aber alles gar nicht zu laut sagen, weil da diversisierst du die Leute ganz schnell auseinander. Ja richtig nervös werden da so einige.
Auf der einen Seite gibt es da ein Lager von Menschen, die Bewegung prinzipiell ablehnen, wenn es nicht biologisch oder beruflich bedingt unbedingt sein muss. Warum auch nicht? Man muss ja nicht bei jedem Hundserschlagen mit dabei sein. Oft sind das sehr gemütliche Zeitgenossen und Innen die im Leben ganz gut angekommen sind.
Auf der anderen Seite sind dafür die Argen, die Rastlosen, die Trainierten, die Gurus, ohhhhja und die Missionare. Da kommt dir manchmal vor, dass es da nicht viel zwischen den Lagern gibt.

Ich hab ja erst vor kurzem den Fehler gemacht in der Mittagspause zu erwähnen, dass ich am Vortag Laufen war.
„Auf was trainierst denn hin? Machst auch zwischendurch Intervall Training?“
„I woa einfach nur a poa Kilometer laufen.“
„Ja aber drei bis vier Mal die Woche solltest dann schon gehn, weil sonst bringts ja ned viel. Im September ist übrigens wieder Vienna Night-Run. Sollen wir uns da anmelden?“
„Za wos? I renn hauptsächlich zum Spaß und damit I ned no fetter werd.“
„Ja das ist aber leiwand mit den ganzen Leuten um den Ring laufen und danach gehn wir auf ein Bier. Und Intervall Training würd Dir sicher beim Aufbau helfen.“
„Oida, Du bist der Letzte mit dem I auf a Bier geh möcht!“

Ich finds ja schön, wenn sich Leute für irgendwelche Sachen begeistern, aber warum muss denn das immer gleich so binär sein?
Fünf Tage pro Woche Kraftkammer mit Trainings-/Ernährungsplan, 12.000 km/Jahr am Rennrad, drei Mal Crossfit, 100 Liegestütz am Tag oder das andere Extrem: „I geh immer glei zum Kühlschrank, wenn I aufs Klo geh, damit I ned so oft aufsteh muass.“

Da machen die Leute wieder gleich eine Religion draus. Du kannst nicht einfach so ein bissl und ab und zu was machen, zum Spaß und nebenbei. Du kannst ja auch nicht nur so ein bissl an Gott glauben. Herrschaftszeiten! Nein, ich will nicht meine Kniebeugen im McFit mitschreiben, nicht diese grausigen Eiweiß Shakes reinsaufn. Nein, ich bin nicht auf Strava, Fitocracy, Runtastic. Ich will mir um Himmels willen keine stundenlangen Vorträge über Fahrrad Carbon Gabeln und Schaltwerke anhören, wenn ich dich gar nicht danach gefragt habe und JA ich vergesse manchmal den „Leg day“.

Aber gehen wir doch mal weg vom Individualsport und widmen uns ein bisschen den Massensportarten. Da kommt man ja in unseren Breitengraden am Fußball nicht vorbei. Das bekommst du quasi mit der Muttermilch. Ich spiel eigentlich gern Fußball. Können tu ich es halt nicht. Zumindest so wenig, dass früher im Turnunterricht der Kollege mit dem gebrochenen Bein noch vor mir in die Mannschaft gewählt wurde. Das kann dann schon hart sein, wenn du aus gesellschaftlich sozialen Gründen jahrelang im Dorf Fußballverein bist. Da hast du dann nämlich einen verbitterten, übermotivierten ex Amateurliga Trainer mit kaputten Knien, der glaubt er kann einen auf „Mighty Ducks“ machen und die talentbefreiten Spieler wie mich, bei jedem Match nur zuschauen lassen. Zumindest konnten wir in unserer Liga nicht noch weiter absteigen. Beim Fußball schauen im Fernsehen immerhin, haben Frau Disko und ich eine faire Aufteilung. Sie fiebert gespannt beim Match mit und schimpft ganz furchtbar in den Bildschirm hinein, ich trink das Bier dazu.

Wintersport ist ja auch so ein Thema. Den darf man ja auf keinen Fall NICHT gern machen. Für mich hat das aber im Lauf der Jahre den Reiz verloren. Seien wir uns doch ehrlich, das erwünschte Traumwetter kannst du dir in den meisten Fällen irgendwo aufzeichnen. Dann quält man sich bei Nebel und Schneeregen durch die Kunstschnee Haufen, um dann am Sessellift halberts zu erfrieren, oder in der Gondel die Ausdünstungen und Flatulenzen fremder Leute wegzuschmecken. Zusätzlich bin ich ja auch eine feige Sau. Wenns da eisig ist, dann setz ich mich hin, rutsch am Arsch hinunter und stehe Todesängste aus. Da freust du dich ja schon um 9:00 auf die Einkehr in der Hütte. Hat man das dann aber endlich geschafft, wird man oft auch bitter enttäuscht. Die Gulaschsuppe aus der Inzersdorfer Dose, die Bolognese auch. Und für den aufgespritzten Dicksaft vom Metro zahlst €4,20 auf die Halbe. Das darf man, wenn man es Skiwasser nennt. Der Gerry Friedle der in unglaublicher Lautstärke aus den Boxen dröhnt ist da noch mein geringstes Problem. Einziger Lichtblick ist hier der Slapstick-hafte Leidensweg aller Skischuh TrägerInnen richtung Klo. Die WC Anlagen sind nämlich IMMER nur über feucht rutschige steinerne Stufen in den Keller erreichbar. Ministry of silly walks, nix dagegen. Über Apres-Ski schreib ich heute nix. Zu Fleiß. Da habt Ihr wo anders eh genug gelesen drüber im letzten Jahr.

Fitnesscenter sind ja auch seit einigen Jahren der neue „Place to be“. Ich gestehe, ich geh da auch gern hin. Aber Gestalten triffst du da, dass es eine Freude ist. Das fängt ja schon in der Umkleide Kabine an. Da verbringen manche mehr Zeit damit, sich im Spiegel anzuschauen und zu fotografieren, als beim Training selbst. Da wird geposed, verrenkt, angespannt und das Allerwichtigste, ganz furchtbar verbissen und grantig geschaut. Beim Training selbst da musst du dann auch oft aufpassen, dass du so manchen Mitmenschen nicht mit der Scheißhausbürschtn verdrischt. Da führen sich ja einige auf als wären die der Kaiser von die ganze Welt. Manieren haben die, da fragst du dich schon ein bisschen und da ist das nicht Zurückräumen von Hanteln und Euqipment an seinen Vorgesehen Platz noch das geringste Problem. Und nicht dass du glaubst, das wären die ultra aufgepumpten, volltättowierten, zwei Meter Gruseltypen (die sind nämlich in der Regel super lieb und hilfsbereit), nein, es sind die halbstarken Oasch-Warzen Kinder mit den gezupften Augenbrauen und den Markenpullovern, denen die Wadeln mal ordentlich nach vorne gerichtet gehören. Übrigens……wieso trainiert man im Pullover?

Bevor ich jetzt aufhöre hier herumzugranteln, hab ich noch eine letzte Frage. Warum zum Teifi müssen sich manche Leute beim Sporteln mehr einparfümieren als der Eingangsbereich von einem Puff in der Felberstraße? Letztens ist eine mit dem Rennradl vor mir gefahren die hat intensivst nach Vanille-Wunderbaum gerochen! WIE EIN VANILLEKIPFERL…..nur auf grauslig. Zum speibm.

Ich muss trotzdem sagen, dass ich eine Freud hab, wenn sich Leute gern bewegen. Aber mir ist egal wieviel, wie wenig, wie oft, wie intensiv oder wie professionell. Fühlts euch wohl dabei, ich tus auch. Gehts euren Mitmenschen aber nicht am Oasch damit bitte. So richtig schön ist ja dann eine „Kleschkoide Hoibe“ wenn man ausgepowert ist und sich der Schmerz in Hintern und Beinen am nächsten Tag so intensiviert, dass man (so wie ich) vor Schmerz vom Klo nicht mehr aufstehen kann. Zum Glück hab ich eine Krankenschwester im Haushalt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Bis bald, euer Dottore Disko

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